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Wirtschaft

22.02.2017 - Artikel

Stand: September 2018

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Die dominikanische Wirtschaft verzeichnet seit Jahren ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum und hatte mit 4,8% im Jahr 2017das zweitstärkste Wachstum der Region nach Panama (Lateinamerikanischer Durchschnitt: 2,7%). Im ersten Halbjahr 2018 lag das Wachstum bei 6,5%. Der IWF warnt jedoch seit Jahren, dass die Schuldenquote und das Staatsdefizit zu stark anstiegen und das Steuersystem des Landes zu wenige Einnahmen einbringe. Der Energiesektor müsse modernisiert werden und weniger Staatssubventionen erfordern (derzeit rund 1 Mrd. USD/Jahr).

Die Einkommensverteilung in der Dominikanischen Republik ist zudem weiterhin sehr ungleich, da sich das starke Wachstum nicht in einer breiten gesamtgesellschaftlichen Wohlstandsentwicklung manifestiert. Die Armutsraten sind nach wie vor hoch und liegen laut Weltbank bei über 30% (2018).

Präsident Danilo Medina (seit 2012 im Amt und 2016 für vier weitere Jahre gewählt) verfolgt einen Wirtschaftswachstumskurs mit starkem Akzent auf Sozial-, Landwirtschafts- und Bildungspolitik. Angekündigte Projekte für die zweite Amtsperiode Medinas sind zudem ein deutlicher Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sowie Investitionen in Infrastruktur und sozialen Wohnungsbau.

Wirtschaftszweige

Die wichtigsten Einnahmequellen sind weiterhin der Tourismus, die Exportgewinne aus den Freihandelszonen, der Bergbau und Transferzahlungen der im Ausland lebenden rund 1,4 Mio. Dominikaner.

Der Tourismussektor mit dem größten Angebot in der Karibik (2017: 82.000 Hotelzimmer) wuchs 2017 um 7%. Die Kapazitäten werden weiter ausgebaut, insbesondere im Kreuzfahrtsektor, der 2017 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 40% anstieg. Auch entstehen neben den Großprojekten an der Nord- und Ostküste mehr Angebote im Süden und Südwesten des Landes. Die meisten Touristen kommen aus den USA, Kanada, Deutschland und - mit deutlich steigender Tendenz – aus Russland. Jährlich besuchen etwa 250.000 deutsche Touristen die Dominikanische Republik (Kreuzfahrttouristen nicht eingerechnet).Das Interesse aus Südamerika und neuerdings auch China wächst stetig, ebenso in den vergangenen zwei Jahren wieder die Touristenzahlen aus Europa, als Folge der Suche nach Zielen fernab der Terrorismusproblematik. Die Regierung Danilo Medinas hat es sich zum Ziel gesetzt, die Touristenzahlen bis zum Jahr 2020 auf 10 Millionen Besucher zu steigern (2017 etwa 6,2 Millionen). 

Wichtigste Erzeugnisse der rund 60 Freihandelszonen sind neben Textilien medizinische und pharmazeutische Artikel sowie Zigarren und, stark expandierend, auch Schuhproduktion und Lederwaren allgemein.

Eine bedeutende Rolle in der dominikanischen Wirtschaft spielt auch der Bergbausektor. Baustoffe wie Bauxit, Kies, Marmor, Kalkstein, Granit und Salz werden im Wesentlichen für den heimischen Markt abgebaut. Zentral ist jedoch der Abbau von Gold und Silber durch das kanadische Unternehmen Barrick, dessen Produktion allein 90% der Mineralien-Exporte der Dominikanischen Republik ausmacht.

Die Netto-Transferzahlungen der im Ausland lebenden Dominikaner machen inzwischen rund 11% des BIP aus und steigen von Jahr zu Jahr. 2016 sandten im Ausland lebende Dominikaner ca. 6 Milliarden US-Dollar an ihre Familien im Land, von denen der überwiegende Teil aus den USA (etwa 70%) und Europa (vor allem Spanien) stammt.

Investitionen

Das anhaltend hohe Maß an Korruption stellt das größte Hindernis für Investitionen dar. Daneben wirken sich institutionelle Probleme, Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, relativ hohe Zölle und Steuern (mit Ausnahme der Freihandelszonen) investitionshemmend aus.

Zivil-, Handels-, Konkurs- und Prozessrecht basieren auf französischem Recht. Das Niveau der Rechtspflege ist relativ gut, entspricht allerdings bei weitem nicht EU-Standard. Insbesondere die Durchsetzung von Ansprüchen im Handelsbereich ist gewöhnlich mit hohem Zeit- und Kostenaufwand verbunden oder aufgrund gravierender Probleme in der Rechtsstaatlichkeit unmöglich. Die im Zusammenhang mit geplanten Investitionen zu erledigenden Behördengänge sind sehr zeitaufwendig. Durch Verfahrensvereinfachungen, die seit 2013 gelten und ständig verbessert werden sollen, sind einige Genehmigungsverfahren verkürzt worden.

Mitte 2009 ist eine umfassende Reform des dominikanischen Gesellschaftsrechts in Kraft getreten. Dadurch wurden insbesondere die Tätigkeit von ausländischen Unternehmern sowie die Übertragung von Gewinnen ins Ausland erleichtert. Das Insolvenzrecht bleibt kompliziert.

Im Juni 2017 wurden durch ein neues Gesetz gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung neue Sanktionsbefugnisse eingeführt und die entsprechende Überwachung verstärkt. 

Außenhandel

Seit 2005 ist die dominikanische Leistungsbilanz negativ. 2017 wurden Waren im Wert von etwa 16 Milliarden US-Dollar eingeführt, jedoch lediglich Posten im Wert von circa 9,8 Milliarden exportiert. Im Nachgang der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrisen gingen die Importe zwar relativ stärker zurück als die Exporte, die Handelsbilanz blieb aber dennoch weiterhin deutlich im Minus. Die Ausfuhren gehen zum größten Teil in die USA (2017: 52%), gefolgt von Haiti (2017: 9,15%), Kanada (2017: 8,8%) und Indien (2017: 6,7%). Deutschland ist mit 1,19% neuntgrößter Abnehmer dominikanischer Produkte.

Die wichtigsten Exportgüter sind die Erzeugnisse der dominikanischen Freihandelszonen sowie aus dem Bergbau (insbesondere Gold, Ferronickel) und Agrarprodukte (vor allem Zucker, Kakao und Bananen). Die Dominikanische Republik ist größter Exporteur ökologischer Agrarprodukte innerhalb der zentralamerikanisch-karibischen Subregion.

Die Einfuhren kommen ebenfalls und mit weiter steigender Tendenz überwiegend aus den USA (2017: 45%), gefolgt von China (2017: 13%), Mexiko (2017: 4,6 %) und Brasilien (2017: 3,4 %). Aus der EU werden 13% (2017) der Waren importiert, aus Deutschland 1,7%. Somit war Deutschland 2017 erneut neuntwichtigster Partner bei Importen. Der Anteil der Importe aus Venezuela (Erdöl) ist jedoch aufgrund der dortigen innenpolitischen Krise von 7,1% in 2013 auf 0,19% in 2017 stark gefallen.

Wirtschaftspolitik

Die Dominikanische Republik ist Mitglied zahlreicher internationaler Wirtschaftsorganisationen und -abkommen: IWF, Weltbank, WTO, GATT, ACS (Verbund karibischer Staaten), CARIFORUM. Im Oktober 2008 wurde das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA) zwischen der EU und CARIFORUM unterschrieben und trat 2009 in Kraft. Das Abkommen, umfasst neben dem grundsätzlich freien Zugang der Dominikanischen Republik zum europäischen Markt(Freihandel), auch Wirtschaftsentwicklungsförderung. Damit ist sie eines von drei Ländern in Lateinamerika (neben Mexiko und Chile), das über freie Marktzugänge sowohl zum europäischen als auch zum US-amerikanischen Markt verfügt. Weitere bilaterale Handelsabkommen sind in Verhandlung, eines mit Chile steht vor dem Abschluss, Abkommen mit Kanada, Taiwan und Mexiko, sowie mit dem Mercosur sollen folgen.

Das Freihandelsabkommen mit den USA und Zentralamerika (DR-CAFTA, 2005 unterzeichnet, seit 2007 in Kraft) bedeutet mit seiner seit 2015 geltenden Verpflichtung zur 97%igen Marktöffnung insbesondere für die dominikanische Landwirtschaft eine große Herausforderung.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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